Kultur
Vom Donaudampfer in Verbannung
Katharina Wingen und Christian S. Malchow prägen das Freiberger Musiktheater - Neu: "Die Csárdásfürstin"
Freiberg. Glänzende Unterhaltung auf einem Donaudampfer verspricht die Neuinszenierung der "Csárdásfürstin". Die Premiere am Sonnabend in Döbeln, ein Woche später in Freiberg, mit Katharina Wingen und Christian S. Malchow in den Hauptpartien, ist ausverkauft. Beide prägen derzeit das Freiberger Musiktheater, reißen das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin - zumindest bis zum Ende der Spielzeit. Dann ist leider Schluss. Katharina Wingen verlässt das Haus, um frei arbeiten zu können. Sie muss diesen wichtigen Schritt tun, um sich weiterzuentwickeln und ihrer großen Stimme Raum zu geben. Doch sie wird dieses Theater vermissen - die netten Kollegen, das gute Arbeiten, das freundliche Miteinander. Sie mag die Stadt und ihre Leute, hat viele Freunde hier. Die junge Frau aus dem Rheinland zieht zurück nach Bonn, will aber auch in Leipzig Quartier nehmen. "Ich bleibe Sachsen treu."
Doch noch ist sie hier und arbeitet mit Klaus Kühl als Regisseur, einem profunder Kenner der leichten Muse. "Er vermittelt uns Sängern Bewegung, Haltung und Leidenschaft und lebt als Künstler diese Leidenschaftlichkeit auf der Bühne selbst vor." Die Sopranistin vom jugendlich-dramatischen Fach hat viel erreicht. Aufhorchen ließ sie von Anfang an mit der Titelrolle in Charpentiers "Medea". Seitdem legt sie mit einer Vielzahl wichtiger Partien eine beachtliche Vielseitigkeit an den Tag, sang die Margarete in Gounods "Faust", die Donna Elvira in Mozarts "Don Giovanni", die Rosalinde in der "Fledermaus".
Mit ihrer Interpretation der Tosca bei den Nikolaifestspielen 2009 hat Katharina Wingen mit Christian S. Malchow als Cavaradossi puren Jubel beim Publikum ausgelöst. Ihr außerordentlich wacher, intelligenter, kraftvoller Sopran füllt den Raum, erfühlt die Rolle. Aber in eine Schublade will sie nicht. "Vielseitigkeit ist mir wichtig", sagt sie - also alles, auch Musical, Operette, Liederabende - auch wenn das Herz für Puccini schlägt. Insbesondere haben es ihr die verschiedenen Frauentypen angetan, die sie darstellt. So ist natürlich Emmerich Kálmáns Silva Varescu, genannt die Csárdásfürstin, ein ganz anderes Temperament als die arme Katjuscha aus Leo Tolstois "Auferstehung", die zur Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt wird. Beide Partien studiert sie gleichzeitig, absolviert Operette parallel zur Oper von Franco Alfano nach Leo Tolstoi.
"Da ist alles drin, was man singen kann, schwelgerische Melodien, die den heutigen Hörer an Puccini erinnern." Zu Recht: Der Komponist ist vor allem als Vollender von Puccinis "Turandot" bekannt. Auf Christian S. Malchow als Bühnenpartner - in "Auferstehung" als Fürst Dimitri, der Katjuscha verführt - kann sie sich dabei wunderbar verlassen. Stimmlich passen beide sehr gut zueinander. "Und wenn es darauf aufkommt, in der Musik zu baden, dann drehen wir beide richtig auf."
"Salvatore" bedeutet das "S" im Namen von Christian S. Malchow. Denn der 32-Jährige ist ein echtes Nordlicht aus Lübeck mit italienischem Blut. Die Mutter, Italienerin, rief ihn früher stets dann Salvatore, wenn er etwas ausgefressen hatte. Jetzt ist er 32 und hauptamtlicher Tenor in Freiberg - mit einer denkbar kurzen Solistenlaufbahn, in der er mit Ritter Blaubart, Marquis von Chateauneuf in "Zar und Zimmermann" oder Max im "Freischütz" die Spitze erreicht hat. Ursprünglich trennte ihn lediglich ein Urlaubsjahr vom Opernchor der Semperoper Dresden, weil er sich solistisch ausprobieren wollte. Geworden ist daraus eine kurze, spektakuläre Laufbahn. Die Freiberger genießen die Stimme, denn eines Tages muss er natürlich weiterziehen. Doch so schön, so klangvoll, so italienisch wie er singt derzeit selten einer von der Liebe. Zur fesselnden Stimme ist sein immer feiner werdendes Bühnenspiel, der freie Umgang mit einer Rolle gekommen. Nicht zu vergessen das Quäntchen Komik, das Augenzwinkern, mit dem er sein Publikum um den Finger wickelt.
Service
"Die Csárdásfürstin" morgen, 19.30 Uhr in Döbeln, am 27. Februar in Freiberg.
www.mittelsaechsisches-theater.de
Von Marianne Schultz
Erschienen am 19.02.2010© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
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